„Exponiert und unsicher“

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Unlängst hatte ich eine Konversation mit einer berufstätigen Dame, Lady Anonymous (mein Assistent hatte mich darüber aufgeklärt, dass dieser Tage auch Damen berufstätig sind und sich keineswegs allein ums Haus kümmern, während ihre Männer ihrem Tagewerk nachgehen – eine Tatsache, die mir neu war, wie ich gestehe). Lady Anonymous jedenfalls hatte lange Zeit als „Angestellte“ gearbeitet (ebenfalls etwas, was mir mein Assistent erklären musste: eine besondere Form moderner, wenn auch gemäßigter, Fronarbeit, die lange nach meiner Zeit weite Verbreitung fand). Und aus diesem Angestelltenverhältnis hatte sie sich befreit und geht seither selbständig ihrem Beruf nach. Sie sucht sich also ihrer Kundschaft und bietet ihnen ihre Handreichungen [Dienstleistungen, d. Ass.] an, für die sie sich direkt bezahlen lässt, ohne einen sogenannten Dienstherren [Arbeitgeber, d. Ass.] dazwischen, der einen Großteil der Einnahmen einsteckt.

Ich möchte hinzufügen, dass ich letzteres ohnehin als den natürlicheren der beiden Arbeitsmodelle ansehe, vor allem bei uns in den Kolonien. Wie sonst soll man denn seiner ehrlichen Arbeit nachgehen als als freier Mann – pardon, Frau – die selbstbestimmt sagt, was sie arbeitet, für wen und gegen welches Entgelt? Freie, unabhängige Menschen brauchen keinen „Halter“ oder Lehnsherren, der sie kurz hält und ihnen sagt, was sie für wen zu tun und zu lassen haben.

Die Dame, so möchte ich hinzufügen, ist grundsätzlich zufrieden mit ihrer Wahl, und das bezieht sich keineswegs nur auf den finanziellen Aspekt. Sie erwähnte, dass es in ihrer Zeit ein zynisches Sprichwort gebe, nach welchem die „Selbständigkeit“ von „selbst“ und „ständig“ käme – dass man also in Wirklichkeit nicht frei sei, sondern man sich selbst um alles kümmern müsse und im Zuge dieser Verpflichtung auch ständig arbeitsbereit sein müsse, mithin also gar keine freie Zeit mehr habe, seine Freiheit zu genießen. Nun, so sei es eben nicht bei ihr, so versicherte sie mir, sondern sie verstehe sich als „Freiberuflerin“, weil sie eben frei sei, sich ihre Arbeitszeiten und ihre Clienten [Kunde, d. Ass.] und die Handreichungen, die sie für diese erbringe, auszusuchen – innerhalb gewisser Grenzen natürlich, aber doch in einem Maße, das sie zufrieden stelle.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich von diesem Gedanken sehr angetan bin, ganz im Sinne meiner Ausführungen oben. Ich selbst bin zwar ein sehr beschäftigter Mann, und ich habe wenig von dem, was diese Dame „Freizeit“ nennt (ich nutze vielmehr jede freie Minute zum Studium meiner vielen Bücher), und die Verpflichtung, die ich für mein Land (welches es hoffentlich bald sein wird) übernommen habe, nimmt zur Zeit einen großen Teil meiner verfügbaren Stunden ein – ach, wie sehne ich mich manchmal danach, mich dem Ausbau meines Privatsitzes Monticello wieder mehr widmen zu können…

Zurück zum Thema: An einer Stelle in unserer Konversation, nach der zweiten Tasse Tee, gestand mir diese Lady (die, wenn ich hinzufügen darf, nicht nur sehr intelligent, sondern auch sehr reizend ist), dass sie sich zuweilen, so auch dieser Tage, sehr exponiert und unsicher fühle.

„Aber warum denn dies?“, fragte ich sie ungläubig. Sie erläuterte, dass die Freiheit, die sie mit ihrer Selbständigkeit – falsch: ihrem Freiberuflertum – erlangt habe, eben auch einen Preis habe: den Preis des erhöhten Risikos. Zum Beispiel des Risikos, sehr schnell, von heute auf morgen, mit kaum oder sogar gar keinem Einkommen da zu stehen, weil einem der wichtigste Client plötzlich mitteilt, dass er einen nicht mehr benötige. Oder auch die Tatsache, dass man erhöhter Konkurrenz ausgesetzt sei im Bemühen um den nächsten Auftrag, und dass viele Konkurrenten bereit seien, zu schlechten Bedingungen zu arbeiten, was wiederum Standards setze und zu überzogenen Erwartungen führe, die sie nun einmal nicht erfüllen könne – und gewiss auch nicht wolle. Diesen Bedingungen sei ein Angestellter nun eben nicht ausgesetzt, so meinte sie, und diese Umständ‘ verursachten ihr bisweilen Sorgen und schlaflose Nächte.

Ich konnte in diesem Augenblick nicht anders als ihr zu widersprechen (obwohl ich ungern Damen widerspreche – erwähnte ich bereits, dass sie sehr reizend ist?): „My dear Lady Anonymous,“ begann ich im strengen Ton, der mir schwer fiel, und ich setzte meine Tasse ab und winkte meinen Assistenten zu mir, „ich muss Ihnen hier energisch widersprechen!“

Ich brauchte für die folgende Argumentation die Hilfe meines Assistenten, der sich in den Details der modernen – ihrer und Ihrer, werte Leser – Arbeitswelt besser auskennt als ich, obzwar gewisse Grundzüge sich seit meiner Zeit nicht geändert haben. Ich fuhr fort: „Seht, der grundlegende und weit verbreitete Irrtum, dem Ihr aufgesessen seid, liegt darin, dass Ihr zwei Sachen verwechselt: Sicherheit und die Illusion von Sicherheit“. Wie ich denn dies meine, so fragte sie zurück, und ihre Wangen röteten sich auf zauberhafte Art und Weise. (Ach, meine werten Leser! Ich bin ein prinzipienfester Mann, aber manchmal könnte auch ich schwach werden…)

„Noch etwas Gebäck?“

„Nein, vielen Dank. Bitte erklärt doch, Mr. Jefferson.“

Ich musste mich kurz sammeln, um gedanklich wieder zur Sache zu kommen. Währenddessen fuhr mein Assistent fort:

„Lady Anonymous, worauf Mr. Jefferson hinaus möchte, ist Folgendes: Die Exponiertheit und Unsicherheit, die Sie erwähnten, gibt es zweifelsohne. Und es ist gut, dass Sie sich ihrer bewusst sind und sich auf entsprechende Konsequenzen vorbereiten, soweit das möglich ist. Dies darf Sie aber nicht zum Schluss verleiten, dass es dies im Angestellten-Dasein nicht gebe.“

„Wie denn dies?“

„Nun, das moderne Angestellten-Dasein wird begleitet von gewissen, gesetzlich festgelegten Rechten und Pflichten, und sofern sich Ihr Arbeitgeber an die Gesetze hält (wovon wir mal ausgehen möchten), so kann er sie in der Tat nicht einfach so von heute auf morgen vor die Tür setzen – von wenigen Ausnahmefällen mal abgesehen. Sagen wir es so: Wir geben zu, dass Sie das in einem gewissen Grad schützt – kurzfristig.“

(Ich wunderte mich über die Art, mit der mein Assistent die Dame so plump-vertraulich anredete: Er siezte sie einfach anstatt die korrekte Anrede in der dritten Person zu wählen! Macht man das denn heute so? Überhaupt: Seine grob-ungeschliffene Ausdrucksweise irritiert mich zuweilen.)

„Diese Art kurzfristiger Sicherheit hat aber ihren Preis – genau so, wie Sie es vorhin mit Ihrer Selb… Ihrer freiberuflichen Tätigkeit beschrieben haben.“

Lady Anonymous und ich hörten weiter zu, und so fuhr mein Assistent fort:

„Zunächst einmal müssen Sie überhaupt eine (unbefristete) Stelle innehaben. Das ist heutzutage sowieso nicht mehr selbstverständlich; aus vielen Gründen, die häufig in den Medien diskutiert werden – wir wollen das hier nicht vertiefen. Nur eines dazu: Um für eine offene Stelle genommen zu werden, müssen Sie in aller Regel ein umfangreiches Bewerbungsverfahren durchlaufen. Und um dieses bestehen zu können, müssen Sie sich jahrelang – eigentlich ein ganzes Berufsleben lang – im hohen Grade spezialisieren und alles darauf ausrichten. Allzu hohe Spezialisierung ist ein Risiko.“

Lady Anonymous blieb stumm, blickte aber interessiert.

„Die Hürden, die heute für eine hundsordinäre Stelle [entschuldigender Blick zu Mr. Jefferson, denn er mag derartig rüde ‚Straßensprache‘ nicht] genommen zu werden, müssen Sie enorm hohe Hürden nehmen – Hürden, die sogar noch viel höher sind als die zweifellos manchmal überzogenen Erwartungen Ihrer Kunden, die Sie erwähnten.“

„Darf ich Fragen, Lady Anonymous, wie groß der Aufwand für Ihre letzte Bewerbung für eine Stelle war?“.

„Sehr hoch,“ sagte sie, „mehrere Tage für Vorbereitung und das eigentliche Verfahren. Aber eigentlich muss man ja anders zählen, die ganze Suche zieht sich Monate lang hin.“

„Und wie war es bei Ihrem letzten Kundenprojekt als Freiberuflerin?“

„Der Anfangsaufwand war sehr hoch – mehrere Monate, in denen gar nichts ging – wie bei einer Stelle auch. Danach allerdings, als ich mein Netzwerk einigermaßen aufgebaut hatte, kam ein Punkt, an dem der Knoten platzte, und ich bekam immer wieder Anfragen. Nicht hinter allen stand etwas geeignetes, natürlich, aber wenn doch einmal, dann wurde man eigentlich schnell handelseinig. Kein ewiges Bewerbungsverfahren, sondern CV hinschicken, ein Gespräch, vielleicht eine persönliche Empfehlung, und dann kann es auch schon losgehen. Die riskieren ja nicht, einen gleich für alle Ewigkeiten an der Backe – oh Verzeihung… am, öh, Postérieur zu haben, weil sie einen ja eben nicht einstellen. Das geht alles viel schneller und unkomplizierter.“

Mein Assistent blickte mich kurz fragend an, und ich nickte. Dann fuhr er fort:

„Dann: Wenn Sie dann endlich eine solche Stelle haben, sind sie eben auch von ihr abhängig. Sie haben keine Möglichkeit mehr, anderen bezahlten Beschäftigungen nachzugehen – weder zeitlich noch rechtlich, denn Vertrag und teilweise Gesetz schließen das ausdrücklich aus. Auch hier: Es gibt ein paar Ausnahmefälle, aber in aller Regel… Sie sind gezwungen, ausschließlich von Ihrer einen Stelle, der Sie sich voll und ganz widmen müssen, zu leben, sind also von ihr abhängig. Im offiziellen Amtsdeutsch heißt es ja sogar so treffend: ‚Vollzeit abhängig beschäftigt‘. Sie können keine anderen Einkommensströme erschließen, es gibt nur diesen einen. Auch dies stellt ein erhebliches Risiko dar.“

Lady Anonymous‘ Augen weiteten sich… – hem, vor Verständnis, versteht sich. Ach, zu schade, dass sie verheiratet ist… Ihr Hosenanzug schmeichelte der Form Ihrer Beine (Frauen tragen heutzutage oft auch Hosen, wie ich mir erklären ließ, eine Mode, an die ich mich erst noch habituieren [gewöhnen, d. Ass.] muss).

Ich warf kurz ein: „Das ist auch vollkommen im Widerspruch zur Theorie meiner Geldtopf-Strategie, die ich in meinem Buch zur finanziellen Unabhängigkeit ausführlich dargelegt habe. Ihr benötigt unbedingt mehrere Einkommensquellen, v.a. passive, und bei den aktiven ist es längerfristig auch besser, direkten Zugang zu den Clienten zu erhalten anstatt einen Arbeitgeber dazwischen zu ernähren. Mein Buch sollte jeder lesen, der die Risiken reduzieren möchte!“ An dieser Stelle atmete mein Assistent hörbar aus, und er presste verärgert die Lippen aufeinander, weshalb ich eilig ergänzte: „Ich sollte übrigens hinzufügen, dass mein Assistent ebenfalls einen Beitrag zum Buch geleistet hat…“ Sein Blick blieb hart. „Um genau zu sein: er hat es geschrieben – aber nach meinen Ideen und Vorgaben.“ Endlich entspannte sich sein Blick.

„Und schließlich: Ihr Arbeitgeber operiert ja schließlich nicht im luftleeren Raum. Was ich meine: Die Firma, für die Sie arbeiten, ist denselben Risiken und Markt-Bedingungen ausgesetzt wie Sie heute als Freiberuflerin! Es stimmt zwar, dass diese Bedingungen von der Firma als Ganzes – von Ihren Kollegen und den Lieferanten – zeitweise etwas abgemildert und aufgefangen werden können, und es stimmt ebenfalls, dass Sie den Ärger und die Risiken, mit denen sich Ihr Chef auseinander setzen muss, in der Routine Ihres Arbeitsalltags nicht immer mit bekommen. Aber das heißt nicht, dass das alles nicht existiert. Es ist da! Und auf Dauer sind Sie dem genauso ausgesetzt wie alle anderen, weil Sie Ihr Einkommen von eben dieser Firma erhalten, die sich nun einmal auch da draußen behaupten muss.“

„Und das bedeutet…“ und nun unterbrach ihn Lady Anonymous: „…dass meine Arbeitsstelle keinen Deut sicherer ist, äh, war, als die Aufträge meiner jetzigen Kunden!“

Einen kurzen Augenblick ließen wir das nachhallen.

„Schlimmer noch,“ fuhr sie fort, „wenn die Firma Probleme hat, dann wälzt sie diese sehr schnell auf ihre Angestellten ab, indem sie z.B. unbezahlte Überstunden verlangt. Ich kenne das noch gut von früher. Oder auf die Zulieferer, die ja wiederum ihre Angestellten haben… Himmel! Man ist all dem voll ausgesetzt, man vergisst das nur so schnell im Arbeitsalltag!“

„Und wenn Sie als Freiberuflerin solchen Problemen ausgesetzt sind, dann müssen Sie sich natürlich auch damit auseinander setzen, aber Sie bleiben dabei Ihr eigener Herr – pardon, Ihre eigene Dame –, machen also Kompromisse nur in dem Maße, wie sie es möchten, und Sie haben v.a. kurzfristig Alternativen, können sich viel schneller andere Kunden oder zwei/drei kleinere Einkommensquellen suchen. Allein Ihre Beweglichkeit reduziert bereits das Risiko.“

„Ja richtig,“ warf Lady Anonymous sofort ein, „ich habe schon viele Leute getroffen, die 20 und mehr Jahre in einem ’sicheren‘ Job waren und immer noch sind, aber das zum Preis Ihrer Vermittelbarkeit. Wenn solch einer seinen Job verliert – aus welchen Gründen auch immer – dann ist er/sie einfach nicht mehr vermittelbar, ganz egal, wie gut er im Job war. Dann ist es aus! [Pause] Diese Leute haben ihr halbes Leben in eine einzige Stelle / eine einzige Firma investiert, und wenn dann etwas passiert – und es passiert immer irgendetwas – dann sind sie dran. Sie haben alles auf eine Karte gesetzt. Daran ist überhaupt nichts sicher! Als Selbstän… Freiberufler ist man zwar schnell draußen, aber auch schnell wieder woanders drin, das ist auf Dauer viel weniger riskant.“

„Lady, Eure schnelle Auffassungsgabe imponiert mir!“, erlaubte ich mir, einzuwerfen.

Und mein Assistent legte noch nach, er echauffierte sich ein wenig: „Man könnte sogar so weit gehen, zu sagen: Gesetzliche Regelungen, aufgrund derer sich die Firmen im (legitimen) Bedarfsfall praktisch nicht ihrer Angestellten entledigen können, machen im Großen und Ganzen alles nur noch schlimmer – für alle. Denn so gut sie (die Angestellten) auch sein mögen, so gern man sie prinzipiell auch halten würde: Das ist nun einmal nicht immer möglich oder auch nur angeraten. Und dann belasten sie die Firma. Und stellen damit in diesem Sinne auch eine Gefahr für alle anderen Angestellten dar, und für den Eigentümer sowieso. Es ist, vereinfacht und überspitzt gesagt, also bestenfalls ein schlechter Handel: ‚Meine (kurzfristige) Sicherheit gegen die langfristig reduzierte Sicherheit der gesamten Firma mitsamt der Belegschaft’“.

Diese Worte waren ’starker Toback‘, wie man in meiner Zeit so sagt. Aber sie hatten ihren Zweck erfüllt. Wir alle schwiegen kurz. Mein Assistent blickte mich sodann nochmals kurz fragend an, und ich signalisierte ihm mit einem zufriedenen Lächeln und einer leichten Handbewegung, dass es nun gut sei und er sich wieder dezent in den Hintergrund zurückziehen könne. Ein tüchtiger Bursche, wirklich! Wenn auch etwas ungeschliffen…

Ich nahm das Ruder wieder in die Hand und schloss: „Wenn Ihr also sagt, my Lady, dass Ihr Euch exponiert und unsicher fühlet, so muss ich Euch zwar recht geben, denn wir alle sind genau genommen ständig exponiert und unsicher. Was ich nun aber hoffe, herausgearbeitet zu haben… äähm… mit guter Hilfe meines Assistenten…, ist, dass es natürlich Unterschiede im Grade dieser Exponiertheit und Unsicherheit gibt. Und dass der Weg, den Ihr gewählet habt, Verehrteste, mitnichten der riskantere ist, sondern au contraire der am wenigsten riskante – zumindest auf längere Sicht und – wenn ich mir erlauben darf, hinzuzufügen – auch der geeignetste für solch eine intelligente im besten Sinne reife Frau, wie Ihr es seid.“

Mein Assistent erlaubte sich noch eine letzte Einlassung: „Vergessen Sie bitte nie, die wahrgenommene Sicherheit von der echten zu unterscheiden – oder umgekehrt formuliert: Sehen Sie alle Risiken, vor allem die echten!“

Und ich sodann: „I prefer dangerous freedom to peaceful slavery“.

Lady Anonymous lächelte wieder und sagte: „Mein guter Mr. Jefferson, ich danke Ihnen… öh, Euch so sehr für diese Worte, Ihr habt in der Tat recht. Das wird mir in Zukunft Kraft und Zuversicht geben.“ Sie blickte kurz auf ihr „kluges Fernsprechgerät“ [Smartphone, d. Ass.] (ein seltsames modernes Gerät, dessen Zweck ich noch nicht ganz verstanden habe) und sagte: „Mein Gott, schon so spät? Nun muss ich aber gehen.“ Als wir uns erhoben und ich sie zur Tür geleitete, legte sie mir beinahe zärtlich ihre hübsche Hand auf den Oberarm und gab mir einen Luftkuss zum Wiedersehensgruß.

„Und kommenden Sonntag dürfen mein Mann und ich doch mit Euch rechnen, Mr. Jefferson?“

„Sehr gern, my Lady, bis Sonntag dann.“

Ach, Ihr Ehemann ist wirklich ein glücklicher Mann. Wie sich die Dinge wohl entwickelt hätten, wenn sie zuerst mir begegnet wäre… Dann rief mein Kopf mein schwärmerisches Herz wieder zur Ordnung, wie er es schon des öfteren getan hat.


Bildnachweis: Gemälde von Carl Herpfer (1836-1897), „The Love Missive“.